„NPD ist jemand mit starkem Narzissmus“, „Narzisst ist einfach ein schlechter Mensch“ — solche Sichtweisen sind inzwischen weit verbreitet. Doch hier ist ein Innehalten nötig. Was neuere Forschung zeigt, ist, dass die Probleme rund um NPD (narzisstische Persönlichkeitsstörung) nicht bloß auf allgemeinem Unverständnis beruhen, sondern auf Auch auf Seiten von Fachleuten aus Medizin und Psychologie kann es zu verzerrten Einschätzungen kommen. Besonders in der 2025 veröffentlichten begutachteten Forschung wurde gezeigt, dass Klinikerinnen und Kliniker je nach Patiententyp leicht zu Ärger, nachlassender Empathie, Hoffnungslosigkeit oder umgekehrt zu Mitgefühl, Traurigkeit und Unbehagen neigen und dass diese emotionalen Reaktionen mit Diagnose und Einschätzung des Schweregrads zusammenhängen können.
In diesem Artikel zeige ich zunächst getrennt die Fakten, die in der Forschung bestätigt wurden. Danach sage ich in meiner Einschätzung, dass selbst Fachleute NPD nicht ausreichend präzise erfasst haben und dass es dabei um eine professionelle Pflicht zur Selbstprüfung und Korrektur geht. Wichtig ist dabei: Es geht nicht darum, Fachleute grob zu verurteilen. Im Gegenteil. Gerade weil NPD an sich schwer zu verstehen ist und auf den ersten Blick leicht fehlinterpretiert werden kann, gab es auch auf der Fachseite Bedingungen, die zu Verzerrungen neigen. Das Erkennen dieser Struktur ist der Ausgangspunkt für künftige Verbesserungen.Zunächst das FazitWas auf Forschungsbasis relativ belastbar gesagt werden kann, sind die folgenden drei Punkte. Erstens ist NPD sowohl in der Öffentlichkeit als auch im medizinischen Bereich
stark stigmatisiert
. Zweitens können bei Menschen mit NPD oder pathologischem Narzissmus auch auf Seiten der Klinikerinnen und Kliniker Gegenübertragung und affektive Verzerrungen auftreten. Drittens können diese emotionalen Reaktionen zu Verzerrungen bei Diagnose, Schweregradeinschätzung und therapeutischer Haltung führen.Und ab hier ist es meine Einschätzung. Ich meine, dass man angesichts der Tatsache, dass diese Probleme so lange übersehen wurden, sagen muss,
dass auch Fachleute NPD nicht ausreichend richtig gesehen haben. Statt jedoch die Expertinnen und Experten als „unreif“ zu charakterisieren, ist es sachlich und argumentativ stärker zu schreiben, dass das Verständnis von NPD noch immer im Entwicklungsstadium ist und auch auf der Fachseite blinde Flecken sowie eine Verantwortung zur Korrektur bestanden.NPD ist von vornherein schwer zu erkennen
NPD ist nicht einfach bloß „Ichbezogenheit“. Auch in der Studie von Day et al. aus dem Jahr 2025 wird pathologischer Narzissmus als **grandioser Typ (grandiosity)
undvulnerabler Typ (vulnerability) beschrieben, also mit deutlich unterschiedlichen Erscheinungsformen. In der Studie von Day et al. lasen 180 Klinikerinnen und Kliniker zwei fiktive Fallvignetten mit vergleichbarem Schweregrad. Während der grandiose Typ von 97 % als NPD eingeordnet wurde, fiel die Einschätzung des vulnerablen Typs unterschiedlich aus:29 % depressive Störung, 24 % NPD, 21 % trauma- und stressbezogene Störung, 21 % Borderline-Persönlichkeitsstörung**.
Dieses Ergebnis ist sehr wichtig. Denn es zeigt, dass die naive Erwartung, Fachleute müssten das auf den ersten Blick sofort erkennen in der Realität nicht trägt. NPD zeigt sich nicht nur als offensichtliche Ichbezogenheit, sondern kann sich hinter Verletzlichkeit, Depression oder traumaähnlichen Erscheinungen verbergen und dadurch schwer erkennbar werden. Wer sich von oberflächlichen Eindrücken leiten lässt, wird daher leicht zu Fehlurteilen kommen.
Was die klinische Studie von 2025 gezeigt hat
Besonders wichtig für dieses Thema ist derzeit eine 2025 in Clinical Psychology & Psychotherapy veröffentlichte Studie von Forschenden der School of Psychology an der University of Wollongong in Australien, der Fakultät für Psychologie an der Bishop’s University in Kanada, der Fakultät für Psychologie an der City, University of London in Großbritannien sowie des Center for Personality Disorder Research / Psychiatric Research Unit Slagelse und der Universität Kopenhagen in Dänemark. Die Autorinnen und Autoren sind Nicholas J. S. Day, Marko Biberdzic, Ava Green, Georgia Denmeade, Bo Bach und Brin F. S. Grenyer .
In dieser Studie zeigten die Klinikerinnen und Kliniker, dass sie bei grandiosen Fällen eher anger, lack of empathy, hopelessness empfanden, während sie bei vulnerablen Fällen eher sympathy, sadness, discomfort verspürten. Zudem wurde berichtet, dass bei grandiosen Fällen negativere Haltungen der Kliniker mit einer stärkeren Einschätzung einer Persönlichkeitsstörung verbunden waren. Die Autorinnen und Autoren interpretieren diese Ergebnisse so, dass bei grandiosen Erscheinungsformen Ärger und Frustration eine übermäßige Stigmatisierung begünstigen können, während bei vulnerablen Erscheinungsformen Traurigkeit und Empathie dazu führen können, die Pathologie zu unterschätzen.
Hier wird sichtbar, dass Fehlverständnisse von NPD nicht nur aus Wissenslücken entstehen. Wenn Ärger oder Verärgerung stark sind, erscheint eine Person schneller als „schwer“ oder „problematisch“. Wirkt jemand hingegen bemitleidenswert, wird leichter angenommen: „Diese Person ist einfach nur verletzt.“ Mit anderen Worten: Nicht nur Kognition, sondern auch Emotion verzerrt die Einschätzung. Deshalb halte ich es für richtig, als Kernbegriff dieses Problems nicht nur von Gegenübertragung zu sprechen, sondern auch von affektiver Verzerrung.
Warum ich persönlich auf dieses Thema so stark reagiert habe
Früher empfand ich es jedes Mal als zutiefst bedauerlich und schmerzhaft, wenn ich sah, dass Menschen, die als NPD eingestuft wurden oder selbst betroffen waren, von ihrem Umfeld zu Sündenböcken gemacht wurden. Rückblickend glaube ich, dass ich dabei auch Teile meiner eigenen Geschichte gespiegelt gesehen habe — ich selbst habe lange erlebt, wie es ist, zum Bösewicht gemacht zu werden. Das ist keine Zusammenfassung von Forschung, sondern meine eigene Reflexion. Aber gerade weil es solche Überschneidungen gab, konnte ich schon früh eine starke Abneigung gegen die Struktur entwickeln, in der Menschen mit einer Diagnose dämonisiert werden.
Gegenübertragung ist kein bloßer alter Theoriebegriff
Wenn man das Wort „Gegenübertragung“ hört, wirkt es auf manche vielleicht wie ein Begriff aus der alten Theorie. In Wirklichkeit ist es aber ein sehr praktisches Problem. Die 2025er Arbeit von Day et al. zeigte konkret, dass emotionale und relationale Reaktionen, die in Fachpersonen im Kontakt mit Patientinnen und Patienten entstehen, Diagnose und Behandlung beeinflussen können.
In diesem Punkt deckt sie sich auch mit einer empirischen Studie aus dem Jahr 2017. Die klinische Psychologin Annalisa Tanzilli von der Università di Roma La Sapienza veröffentlichte gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen die Arbeit Countertransference when working with narcissistic personality disorder: An empirical investigation; sie ist tatsächlich vorhanden und auch in PubMed verzeichnet. Im offiziellen Universitätsprofil wird Tanzilli zudem als Lehrende in der Abteilung für Dynamische und Klinische Psychologie sowie Gesundheitswissenschaften derselben Universität geführt.
Diese Studie wurde später wiederholt zitiert, weil sie zeigte, dass Klinikerinnen und Kliniker bei Patientinnen und Patienten mit NPD negative Gegenübertragungen wie Ärger, das Gefühl, kritisiert zu werden, das Gefühl, herabgesetzt zu werden, Hilflosigkeit, Unzulänglichkeit und Rückzugsimpulse entwickeln können.
Mit anderen Worten reicht es für das Verständnis von NPD nicht aus, nur darauf zu schauen, „wie diese Person ist“; man muss auch sehen, was mit der Person passiert, die ihr gegenübersitzt, um das Gesamtbild zu erfassen.
Ergänzend möchte ich an dieser Stelle sagen, dass ich auf solche Reaktionen selbst oft etwas anders blicke. Wenn ich auf Menschen treffe, die grandios auftreten oder starken Ärger zeigen, denke ich zunächst nicht daran, sie schlecht zu sehen, sondern frage mich, welche Verletzung oder welche Abwehr dahinterstehen könnte. Zum Beispiel: Ist die Person innerlich vielleicht getrieben von dem Versuch, nach tiefen Verletzungen den eigenen Wert zu beweisen? Oder: Bricht da vielleicht eine Schwierigkeit hervor, die sich nicht gut ausdrücken lässt und sich deshalb als defensive Wut entlädt? Ich versuche zuerst, diese inneren Bewegungen zu sehen.
Umgekehrt sehe ich Menschen, die weinen oder ihre Opferrolle stark betonen, ebenfalls nicht einfach nur als leidend an, sondern achte auch auf die Möglichkeit versteckter Aggression oder Manipulation. Das heißt: Ich sehe wütende Menschen nicht einfach als schlecht und weinende Menschen nicht einfach als gut. Ich versuche eher, was hinter der sichtbaren Emotion oder dem äußeren Eindruck in Bewegung ist.
NPD wird auch auf Seiten des Gesundheitswesens stigmatisiert
Eine weitere wichtige Studie aus dem Jahr 2025 ist eine qualitative Untersuchung von Ellen F. Finch und Emily J. Mellen. Sie erschien in Personality and Mental Health und ordnet anhand von Interviews mit Klinikerinnen und Klinikern, die NPD behandeln, die Struktur des NPD-Stigmas. Nach öffentlich zugänglichen Informationen sind die Zugehörigkeiten von Ellen F. Finch an der Harvard University und Emily J. Mellen am Tufts Medical Center angegeben.
In der Zusammenfassung der Studie wird deutlich, dass NPD weithin als hochgradig stigmatisiert gilt und dass auch die befragten Klinikerinnen und Kliniker berichteten, dass NPD sowohl in der Öffentlichkeit als auch im medizinischen Bereich als hochgradig stigmatisiert wahrgenommen wird.
Wichtig ist hier: Vorurteile existieren nicht nur in der allgemeinen Gesellschaft. Auch bei Ärztinnen, Ärzten und Psychologinnen und Psychologen können Abwehr, Distanzierung, Resignation und negative Erwartungen gegenüber NPD mitschwingen. Für Betroffene ist das ein massives Problem. Wenn man in der Öffentlichkeit als „Narzisst“ etikettiert wird und zugleich auch im Gesundheitswesen als „schwierig“ oder „anstrengend“ gilt, wird man doppelt leichter ausgeschlossen.
Eine Studie von 2021 zeigte noch deutlicher die Realität auf Seiten der Fachleute
Als weiter zurückliegender, aber wichtiger Vorläufer gilt ein 2021 in Personality Disorders: Theory, Research, and Treatment veröffentlichter Artikel. Die Autoren sind Owen S. Muir, Jillian N. Weinfeld, Danny Ruiz, Dmitry Ostrovsky, Miguel Fiolhais und Carlene MacMillan . In der öffentlichen Vorschau auf ResearchGate werden als Hauptzugehörigkeiten Brooklyn Minds und die City University of New York genannt.
In dieser Arbeit wurde NPD als underdiagnosed psychiatric condition bezeichnet. Eine Befragung von Klinikerinnen und Klinikern ergab, dass Patientinnen und Patienten mit NPD oft als difficult and challenging wahrgenommen werden, dass man wenig Behandlungserfahrung hat, die Abbruchrate hoch ist und dass diejenigen, die eine formelle Ausbildung oder Schulung zu NPD erhalten hatten, bessere Ergebnisse berichteten.Der entscheidende Punkt dieser Studie ist, dass sie das mangelnde Verständnis auf Seiten der Fachleute nicht als bloßes individuelles Defizit zeigte, sondern als institutionelles und bildungsbezogenes Problem. Es gibt nur wenige Gelegenheiten, NPD systematisch zu lernen, die Evidenzlage ist begrenzt, und in der therapeutischen Beziehung ist die Gegenübertragungsbelastung hoch. Dass Fachleute sich davon beeinflussen lassen, ist daher nicht überraschend. Wenn man also sagt, dass auch Fachleute sich geirrt haben, ist es präziser, gleichzeitig hinzuzufügen, dass dies auch die Schwierigkeit des NPD-Verständnisses und unzureichende Ausbildungsbedingungen widerspiegelt
.Schon das Wort „Narzisst“ zerstört oft das VerständnisZusätzlich erschwert wird das Ganze durch die Sprache. Eine 2026 in Acta Psychologica veröffentlichte Studie von
Michael P. Hengartner, Ahmet Eymir und Nick Haslam
argumentiert, dass NPD unter concept creep leidet, also einer schleichenden Ausweitung des Begriffs. Die institutionellen Zugehörigkeiten der Autoren sind jeweils die Kalaidos Fachhochschule, die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und die University of Melbourne in Australien .In dieser Arbeit wird darauf hingewiesen, dass NPD durch diese begriffliche Ausweitung immer breiter verwendet wird als ursprünglich diagnostisch gemeint und dass Laien den Begriff oft synonym zu egoism, exhibitionism und vanity verwenden und ihn häufig auch abwertend einsetzen. Außerdem wird festgehalten, dass auch Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler sowie Fachpersonen im Bereich der psychischen Gesundheit
durch zu weite Definitionen und unzureichende Erklärungen zu dieser Bedeutungsverschiebung beitragen können.Das heißt: Es reicht nicht zu sagen, dass nur die Öffentlichkeit etwas missversteht. Auch fachliche Sprache, Lehre, Erklärungen und Social-Media-Kommunikation haben möglicherweise zur Verwirrung um den Begriff NPD und zur Verstärkung des Stigmas beigetragen. Auch hier zeigt sich also das Problem der professionellen Verantwortung
.Darum ist „selbst Fachleute liegen oft falsch“ kein Alarmismus, sondern ziemlich nah an der RealitätWenn man die bisherige Forschung zusammenfasst, dann ist die Formulierung „selbst Fachleute liegen falsch“ kein bloßer Provokationssatz. Natürlich benutzen die Forschenden selbst nicht unbedingt so scharfe Worte. Was die Daten aber tatsächlich zeigen, ist, dass Klinikerinnen und Kliniker bei grandiosen Erscheinungsformen stärker zu negativen Gefühlen tendieren und bei vulnerablen Erscheinungsformen stärker zu Empathie und Traurigkeit — und dass dadurch bei gleicher Schwere die Einschätzung auseinandergeht. Genau das bedeutet
dass der Blick durch Emotionen gelenkt wird
.Hat sich erst einmal die Vorannahme festgesetzt: „Diese Person ist ein schwarzes Schaf“, dann wird alles Folgende leicht so interpretiert, dass es zu diesem Bild passt. Besonders problematisch ist dabei, dass die beobachtende Person oft kaum bemerkt, dass ihre eigene Sichtweise verzerrt sein könnte. Das ist zwar kein Fachterminus, aber als Metapher zum Verständnis der heutigen Stigmastruktur rund um NPD sehr hilfreich. Wenn in Gesellschaft und Fachwelt das starke Vorurteil „Narzisst = schlechter Mensch“ zirkuliert, werden Verhaltensweisen dieser Person fast allesamt in diesem Licht gelesen. Und diese Lesart entspricht dann oft weniger einer genauen Wirklichkeitswahrnehmung als vielmehr einer von einem Etikett gesteuerten Wahrnehmung.Was führende Fachleute warnend sagen
Dieser Trend deckt sich nicht nur mit der Forschung, sondern auch mit Äußerungen führender Klinikerinnen und Kliniker.Dr. Elsa Ronningstam ist eine klinische Psychologin am McLean Hospital in den USA und außerdem Associate Clinical Professor of Psychiatry an der Harvard Medical School. Im offiziellen Profil des McLean Hospital wird bestätigt, dass sie Narzissmusdiagnostik und -behandlung zu ihren Hauptgebieten zählt und seit über 30 Jahren in diesem Bereich forscht und publiziert.
In dem Artikel der Mass General Brigham EAP vom Februar 2026 mit dem Titel
Everyone is Talking about Narcissism erklärt Ronningstam, dass NPD ein Teil des pathologischen Narzissmus ist und aufgrund geringer Selbsterkenntnis, seltener Inanspruchnahme von Hilfe, Fehldiagnosen und schwankender Symptomatik unterberichtet und untererfasst
wird. Zudem betont sie, dass auch Empathie kein simples „0 oder 100“ ist, sondern je nach kognitiver Aufmerksamkeit und emotionaler Anschlussfähigkeit schwanken kann.Wichtig ist hier, dass eine führende Fachperson selbst erklärt, wie die Flut der Begriffe „narcissism“ und „narcissist“ das Verständnis verflachen kann. Das heißt: Dieses Problem ist nicht nur eine These einzelner Kritiker, sondern auch auf Seiten zentraler Klinikerinnen und Forscher wird die Notwendigkeit einer Korrektur gesehen.Warum ich selbst so früh merkte, wie ungewöhnlich dieses Problem ist
Hier möchte ich, nicht mehr als Forschungszusammenfassung, sondern als kleinen persönlichen Hintergrund, etwas über mich sagen. Denn der Grund, warum ich an diesem Thema so lange ein starkes Unbehagen hatte, hat nicht nur mit Wissen zu tun, sondern mit einer tieferen Wahrnehmung.Ich war schon immer jemand, der sich von Gruppenstimmungen und Mehrheitsmeinungen nicht leicht mitreißen lässt. Als Kind gab es in meiner Klasse einmal ein Kind, das einen schlechten Ruf bekam und von allen gemobbt wurde. Ich konnte mich diesem Klima jedoch nicht anschließen. Ich spürte einfach, dass etwas daran falsch war. Also versuchte ich, dem Kind zu helfen.Das Ergebnis war für mich als Kind ziemlich schmerzhaft. Weil ich geholfen hatte, richtete sich der Hass der Mobber auch gegen mich, und das zuvor gemobbte Kind begann nun, sich gegenüber den Mobbern anzubiedern. Damals empfand ich das als Verrat und war tief schockiert. Aber diese Erfahrung hinterließ in mir eine gewisse
Gewissheit
.
Wenn eine Gruppe sich darauf einschießt, etwas oder jemanden als „schlecht“ zu markieren, kann schon die Grundstimmung selbst falsch sein
. Und das Problem ist: Viele Menschen in einer solchen Situation bemerken gar nicht, dass ihre eigene Sichtweise verzerrt sein könnte.Deshalb habe ich auch dann nicht mitgemacht, als im Internet die narzisstische Persönlichkeitsstörung dämonisiert wurde, als man sie zum Bösewicht machte und viele Menschen das als selbstverständlich hinnahmen. Ich dachte: „Hier wird jemandem, der bereits geschwächt ist, kollektiv Schaden zugefügt.“ Schon um 2012 bemerkte ich, dass an dieser Sache etwas nicht stimmte, und um 2014 schrieb ich auch Artikel über die Gefahren. Damals kannte ich die Fachbegriffe wie „Stigma“, „affektive Verzerrung“ oder „concept creep“ noch nicht. Trotzdem spürte ich klar, dass das, was geschieht, nicht bloß eine Warnung war, sondern eine Struktur, die einer Dämonisierung durch Diagnosen und moralischer Schikane sehr nahekommt.Ähnliche BeiträgeHier folgt meine EinschätzungDamit ist das gesagt, was sich aus der Forschung sagen lässt. Ab hier formuliere ich klar meine eigene Bewertung.
Ich glaube, dass es im bisherigen fachlichen Verständnis von NPD ein Problem der
professionellen Verantwortung
gab. Denn selbst wenn die Missverständnisse in der Gesellschaft zunahmen, wurde NPD auch auf medizinischer und psychologischer Seite oft in einem Klima von „schwierig“, „anstrengend“ und „kaum zugänglich“ behandelt. Das begünstigte Fehldiagnosen, Unterdiagnosen, Diagnosevermeidung, oberflächliche Hilfe, negative Haltungen und extreme Etikettierungen. Dass die Forschung dies erst seit kurzem offenlegt, ändert nichts daran,
dass die früheren Versäumnisse auf Fachseite nicht einfach verschwinden
.Ich will damit jedoch nicht sagen: „Fachleute waren schlecht.“ Vielmehr ist NPD an sich schwer zu verstehen, aus bloßen Oberflächeneindrücken kaum zu erkennen und durch Gegenübertragung und affektive Verzerrung leicht zu verfälschen. Gerade deshalb sollte man fachliche Irrtümer nicht als Scham verbergen, sondern als Aufgabe für Wachstum und Weiterentwicklung annehmen. Wer NPD richtig sehen will, muss nicht nur Wissen prüfen, sondern auch die eigene emotionale Reaktion, moralische Urteile, die Abhängigkeit von Labels und den Einfluss von Social Media und populären Diskursen mit reflektieren.So schwierig ist das alles, dass es nicht überraschend ist, wenn Fachleute sich haben mitreißen lassen
. Aber damit darf man sich nicht zufriedengeben.Was für die Allgemeinheit wichtig istFür die Allgemeinheit ist vor allem wichtig, eine andere Person nicht mit dem Wort „Narzisst“ im Schnellverfahren zu erklären. Für Menschen mit schmerzhaften Beziehungserfahrungen kann dieser Begriff vorübergehend sehr eingängig wirken. Doch sobald Diagnosebegriff und Schimpfwort ineinanderlaufen, wird das Verständnis sofort ungenau. NPD ist nicht einfach ein anderes Wort für Bosheit, und umgekehrt entscheidet eine mögliche NPD auch nicht automatisch über die Frage von Schädigung oder Missbrauch. Wichtig ist nicht das Etikett, sondern welche Beziehungsmuster, welches Leid und welche Abwehrmechanismen tatsächlich vorliegen.Was für Fachleute wichtig ist
Für Fachleute ist wichtig, NPD nicht nur als Problem „der Patientenseite“ zu sehen. Man muss sorgfältig prüfen, was man selbst in Diagnose- oder Behandlungssituationen fühlt, was diese Gefühle unsichtbar machen, und ob die eigene Reaktion ein hilfreicher Hinweis auf das Verständnis der Patientin oder des Patienten ist oder nur eine defensive Reaktion. Genau das haben Day et al. gezeigt. Weder Ärger noch Mitgefühl sind an sich falsch.
Das Problem entsteht, wenn sie die Einschätzung übernehmen
.
ZusammenfassungWas gerade geschieht, ist nicht bloß ein „Missbrauch von NPD“. NPD ist zu einem Zustand geworden, in dem sich die narzisstische Persönlichkeitsstörung als Diagnosekonzept, Narzissmus als Persönlichkeitseigenschaft und der soziale Stempel „Narzisst“ als Mittel, andere zu beschuldigen, ineinander verstricken. Dadurch bläht sich die Bedeutung auf sprachlicher Ebene auf, Abscheu und Mitleid werden auf emotionaler Ebene verstärkt, und auf kognitiver Ebene wird die Einschätzung verzerrt. Ich halte es für angemessen, dies als komplexe Stigmastruktur zu verstehen, in der verzerrte Kognition, Emotion und Sprache miteinander verflochten sind
.
Und zum Schluss möchte ich das klar betonen: Selbst Fachleute haben in manchem falsch gelegen. Das bedeutet aber nicht, dass Fachleute wertlos wären. Es zeigt vielmehr, wie schwer NPD ist. Gerade deshalb arbeiten Forschende jetzt an diesem Problem, und erst allmählich wird sichtbar, wo die Fehleinschätzungen entstanden sind. Was nun nötig ist, ist nicht das Festhalten an alten Etiketten, sondern aus der Forschung zu lernen, affektive Verzerrungen zu überprüfen und Patientinnen und Patienten präziser zu sehen. Das Verständnis von NPD befindet sich mitten in einer Korrektur. Wir müssen diese Korrektur weiter vorantreiben.
Ich selbst habe Erfahrung damit, komplexe und schwierige psychische Probleme und ihre Tiefenstrukturen Schritt für Schritt durch das Schreiben offenzulegen. Tatsächlich habe ich mich damit mit der Methode „Sayonara Monster“ auseinandergesetzt. Gerade deshalb erkenne ich auch bei einer komplexen Stigmastruktur wie dieser, in der Emotion, Kognition und Sprache sich gegenseitig verzerren, besonders schnell: „Hier stimmt etwas nicht.” ]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}] }]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}] ]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]】】】】【。}`]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]】【】】]}] }]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}】】】】】】】】】【】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】】]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]}]】】】】】】】【。】】】】】】】】】]}]}]}]content_segments”:[“”]}]}]}]}]}]
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